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Froschrad

Einfach losradeln… BERLIN CALLING

City of Potsdam in Germany, looking eastward

Image via Wikipedia

Preußen-Hochzeit – Sechs Pferde ziehen Kaiser-Ururenkel ins Eheglück

Jetzt feiert auch Deutschland eine Adelshochzeit. Denn der Ururenkel des letzten Kaisers tritt am Sonnabend in Potsdam vor den Traualtar. Auf dem Standesamt war er mit seiner Braut Sophie bereits.

Calitor, Gulan, Salon, Nero, Phantolist und Parey kommen aus einem guten Stall. Und sie haben gute Nerven. Die müssen sie auch haben, die sechs rassigen Füchse. Scheuen dürfen sie nicht, wenn sie am kommenden Sonnabend den Auftrag ihres Lebens bewältigen.

Calitor, Gulan, Salon, Nero, Phantolist und Parey, die sechs Warmblüter vom Brandenburgischen Landes- und Hauptgestüt in Neustadt an der Dosse, sollen, an Tausenden von Schaulustigen vorbei, den blauen Landauer durch Potsdam ziehen, in dem Sophie Prinzessin von Isenburg und Georg Friedrich Prinz von Preußen die erste Strecke des gemeinsamen Glücks zurücklegen wollen.

Die sechs Pferde werden ihre Sache gut machen. Auch wenn sie nicht wissen, wen sie da durch Potsdam kutschieren. Es ist der Ururenkel des letzten Kaisers und Königs von Preußen Wilhelm II. Und wenn der Monarch nicht 1918 abgedankt hätte und Deutschland noch eine Monarchie wäre, dann wären Georg Friedrich und Sophie heute unser Kaiserpaar.

Am kommenden Sonnabend werden sich der protestantische Adelige und seine katholische Verlobte in einer ökumenischen Zeremonie in der Potsdamer Friedenskirche das Ja-Wort geben.

Während die Vorbereitungen für die kirchliche Trauung auf Hochtouren laufen, haben beide am Donnerstag in aller Stille standesamtlich geheiratet. Der 35-Jährige gab in Potsdam seiner Braut das Ja-Wort. Punkt 12 Uhr verschwand das Paar im Potsdamer Rathaus. Erst knapp eine halbe Stunde später verließen die Eheleute das Gebäude wieder. Erster Gratulant war Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der das Paar getraut hat. Wie von beiden gewünscht, verlief die Zeremonie im kleinen Kreis.

Strahlend nahmen die Brautleute – sie im cremefarbenen Tüllkleid mit Satin-Blazer, er im dunkelblauen Anzug mit royalblauer Krawatte – später vor dem Stadthaus weitere Glückwünsche entgegen. Im Anschluss fuhr die kleine Hochzeitsgesellschaft mit Polizeigeleit an einigen Schaulustigen vorbei zum Schlosspark Sanssouci. Der Prinz steuerte dabei selbst den dunklen Wagen, seine Braut an seiner Seite.

Am Sonnabend werden mehr als 700 Gäste dabei sein, Fürsten, Grafen und Prinzessinnen, vor allem aus dem deutschen Hochadel. Sie alle werden berührt sein. Von der Blütenpracht der blauen und weißen Rittersporne, die das Kirchenschiff schmücken. Von den Orgelklängen und den Rhythmen des Blechbläserensembles des dänischen Königshauses. Und natürlich von der 33 Jahre alte Braut. Ihr Vater Franz Alexander Fürst von Isenburg, wird mit ihr in einem silbernen Rolls Royce zur Kirche fahren. Ihr Kleid ist ein wohlgehütetes Geheimnis. So viel aber hat das Haus Hohenzollern schon verlauten lassen: Die Braut wird ein kostbares Diadem aus dem Familienschmuck der Isenburgs tragen.

Sophie und Georg Friedrich schützen ihr Privatleben. Sie sind diskret.

Was für den Lebensstil des Paares aber symptomatisch ist, das ist das Zusammenspiel von Moderne und Tradition. Georg Friedrich ist alles andere als ein Ewiggestriger. Und er ist kein Schnösel. Er ist in einem Einfamilienhaus in Fischerhude bei Bremen aufgewachsen, in Berlin bewohnte er eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Er steht mitten im Leben. Er empfindet die Begegnung mit anderen Kulturen als Bereicherung. So wie sein Großvater Louis Ferdinand, der in den 20er-Jahren in den USA am Fließband der Autofabriken von Ford stand.

Georg Friedrich hat in Schottland sein Abitur gemacht, in Ecuador im Rahmen seines Betriebswirtschaftsstudiums in einer Pharmafirma berufliche Erfahrungen gesammelt. Heute arbeitet er in Rostock als Unternehmens- und Existenzgründungsberater mit Wissenschaftlern, die sich darüber Gedanken machen, wie sich neue Ideen aus dem Hochschulbereich in die Praxis umsetzen lassen. Er ist ein moderner Mensch.

Der Tradition fühlt sich der Major der Reserve dennoch verpflichtet. Immerhin ist er seit dem Tod seines Großvaters Louis Ferdinand im September 1994 der Chef des Hauses Hohenzollern. Sein Vater, der ebenfalls Louis Ferdinand hieß, war zu dem Zeitpunkt schon lange verstorben. Er kam 1977 bei einer Bundeswehrübung ums Leben. Damals war Georg Friedrich gerade mal ein Jahr alt.

Heute präsentiert er die Familie nach außen. Das heißt für einen Vertreter des Hochadels vor allem auch, ein gutes Vorbild zu sein. Der 35-Jährige engagiert sich intensiv als Vorstandsvorsitzender der einst von seiner Großmutter für Flüchtlingskinder gegründeten Kira-von-Preußen-Stiftung.

Die kümmert sich heute um sozial benachteiligte Kinder, die auf der Hohenzollernburg in Hechingen ihre Ferien verbringen dürfen. Adel verpflichtet aber auch in Liebesdingen. Ein Oberhaupt des Hauses Hohenzollern darf nicht unter Stand heiraten. Das ist ein Privatgesetz der Familie.

Sophie Prinzessin von Isenburg entstammt einem jahrhundertealten Adelsgeschlecht. Sie ist keine Prinzessin auf der Erbse. Sie gilt als bodenständig, ohne Standesdünkel. Wie ihr künftiger Ehemann hat sie Betriebswirtschaft studiert. Sophie Prinzessin von Isenburg, die aus Hessen kommt, arbeitet in Berlin in einem Unternehmen, das gemeinnützige Organisationen berät. Sie kennen sich schon aus Kleinkindertagen.

Seit mehreren Jahren sind sie ein Liebespaar. Anfang Juli sah man sie auch unter den Hochzeitsgästen von Prinz Albert und Charlene Wittstock in Monaco. An diesem Wochenende sind sie die Hauptpersonen. Sie sind keine Herrscher. Das internationale Interesse an ihrer Trauung wird eher niedrig sein. Für Georg Friedrich und Sophie ist das kein Nachteil. Sie leben diskret, lieben die leisen Töne. Sie können sich aufeinander besinnen und die Fahrt in dem Landauer genießen, um den Park von Sanssouci zu den Neuen Kammern, wo sie einen Empfang geben.

Calitor, Gulan, Salon, Nero, Phantolist und Parey werden sie sicher fahren. Tradition verpflichtet. Dass sie von dem Neustädter Gestüt stammen, das 1788 von König Friedrich Wilhelm II. zur Pflege der preußischen Pferdezucht gegründet wurde, soll allerdings angeblich weniger an preußischem Traditionsbewusstsein als an persönlichen Verbindungen zwischen einem Cousin des Bräutigams und dem Gestütsleiter liegen. Wie auch immer. Es passt. Bei einer Adelshochzeit kommt man nun mal aus einem guten Stall.

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